13. August 2015 – Tag 10

Von Payerne nach Moudon (Kanton Waadt)

Heute bin ich von Payerne nach Moudon gelaufen, immer flussaufwärts an der ‘La Broye’ entlang. Die Steigung war nicht spürbar und so wurde das ein gemütlicher Wandertag von etwa 6 Stunden Laufzeit. Der Fluss ist fast die ganze Stecke begradigt und gesäumt von Pappeln und Birken. Am Wanderweg wuchsen zu meiner Linken mannshohe Büsche und so lief ich meist im Schatten.

Der Fluss ‚La Broye‘ war heute mein steter Begleiter

Und das ist, was ich über meine Zimmersuche in Moudon in mein Tagebuch geschrieben habe:

„Meine Zimmersuche in Moudon gestaltete sich schwierig. Vier Hotels gibt es im Ort – zwei haben Betriebsferien (mitten im Sommer?) – in den anderen zwei wurde ich skeptisch angeschaut und gleich mit ‘wir sind voll’ abgespeist. Ich hatte den Eindruck, die wollten mich verschwitzten Pilger nicht. Was nun?

Ich bin dann erst einmal in die Kirche gegangen und habe mir einen Stempel in meinen Pilgerpass gedrückt. Neben dem Stempel lag ein Heft mit Adressen von privaten Pilgerherbergen im Kanton Waadt, und somit auch mit Adressen in diesem Ort. Es waren mehrere für Moudon aufgelistet, eine im Zentrum nicht weit von der Kirche. Ich bin dorthin, aber dort war niemand. Ich beschloss, ein bisschen im Ort herumzulaufen und kurze Zeit später stand ich vor der Touristeninfo. Ich bin da rein, habe mein Problem erklärt und meine Wünsche beschrieben. Die Frau, die mich bediente, hat dann bei der privaten Pilgerherberge angerufen, die ich ausgesucht hatte. Sie erreichte die Herbergsmutter, die mir sofort zusagte. Ich könne in ihrem Haus übernachten, aber sie wäre erst kurz vor 17 Uhr wieder in ihrer Wohnung.

Ich konnte mein Glück kaum fassen und habe die Zeit bis ca. 16:45 Uhr auf einer Bank neben der Kirche mit Tagebuchschreiben verbracht. Ich habe dann vor der Herberge ein paar Minuten gewartet und schon kam die Herbergsmutter mit ihrem Mann. Die beiden sind etwa Mitte 70, sprechen gut Deutsch und vermieten für den halben Preis einer Hotelübernachtung eine kleine Wohnung im Erdgeschoss ihres Hauses. Dafür habe ich den Schlüssel bekommen, der Kühlschrank war gefüllt und was drin war, stand mir zur Verfügung.

Ich bin dann in die Coop (ein Schweizer Supermarkt) und habe ein Abendessen für mich eingekauft, habe geduscht und Socken und T-Shirt gewaschen und sitze nun in der Küche vor einer grossen Tasse Schwarztee. Meine Vermieterin hat mir gerade noch einen selbstgebackenen Zopf für mein Frühstück gebracht. Wow, was habe ich es doch gut!

Und wieder: Ist es Zufall, dass ich jetzt einen so wunderbaren Schlafplatz habe?“