Von Moudon nach Lausanne (Kanton Waadt)
Meine heutige Etappe von Moudon nach Lausanne war lang und feucht. Schon gestern Abend hatte es kräftig zu regnen begonnen. Heute Morgen sah es so aus, als ob die Wolken aufreissen würden, aber daraus wurde nichts.
Wandern bei Regen ist kein grosses Vergnügen. Wie man sich am besten vor Regen schützt, ist Ansichtssache. Die Einen bevorzugen Plastikumhänge, Regenhosen und Gamaschen. Andere schwören auf einen grossen Regenschirm.
Ich gehöre zur Regenschirmfraktion und bin mit einem grossen Treckingschirm unterwegs, weil ich in einer ‚Plastikverpackung’ zu sehr schwitze.
Wenn es aber regnet und auch noch stark windet, wird das Laufen mit Schirm mühsam. Und wer gern mit zwei Teleskopstöcken läuft, kann bei Regen nur noch einen benutzen, und auch das ist gewöhnungsbedürftig.
Ich bin heute 29 km mit Regenschirm die Hügel hoch- und runtergelaufen und musste mich sehr auf den rutschigen Weg konzentrieren.
Unterwegs habe ich eine Mutter mit ihren zwei Söhnen (10 und 12 Jahre alt) getroffen; einen Hund hatten sie auch noch dabei. Sie leben in München und laufen jedes Jahr ein Stück auf dem Jakobsweg, mit dem Ziel, irgendwann in Santiago de Compostela anzukommen.
Schlafen tun sie bei gutem Wetter zusammen in einem Mini-Zelt. Bei schlechtem Wetter sind sie auf Bauern angewiesen, der sie in Scheunen schlafen lassen. Die Mutter ist Alleinerziehende und erzählte mir, dass ihre 15jährige Tochter kein Interesse am Jakobsweg hat. Die Jungs waren trotz schlechtem Wetter guter Dinge und schienen mit dieser Art Ferien glücklich zu sein.
Meine eigenen Kinder mit mir auf dem Jakobsweg? Nein, das würde ihnen wohl nicht gefallen.
Heute habe ich kaum fotografiert. Ich habe mich nur einmal getraut, mein iPad bei dem Regen auszupacken. Dabei ist das folgende Bild entstanden.

Die Etappe von Moudon nach Lausanne hat mir viel abgefordert. Das Wandern bei Regen war mühsam und die Pausen zum Essen und Ausruhen ungemütlich.
Die letzte Wegstrecke nach Lausanne hat sich sehr gezogen und hat mich viel Kraft gekostet. In Lausanne endete der Weg an der Kathedrale. Drinnen gibt es eine Nische für Pilger, unter anderem gab es dort auch den Pilgerstempel. Ich habe mich dort etwas ausgeruht, aber wurde gleich von einem Paar im mittleren Alter angesprochen. Sie waren neugierig und wollten etwas über meine Pilgerreise wissen. Interessant war das, keine Frage, erwischte mich aber zur falschen Zeit.
Die Bettsuche gestaltete sich einmal mehr als sehr schwierig. Im Backpacker-Hotel neben dem Bahnhof gab es kein freies Bett. In der Jugendherberge gab es welche, aber die liegt unendlich weit ausserhalb des Stadtzentrums. Ich habe mich dann dort hingeschleppt und war geschafft, als ich endlich ankam. Ich wollte nur noch duschen und die Tür zu machen und habe ein teures Einzelzimmer genommen.
Alles war nun gut, aber der Wetterbericht für die nächsten Tage sah weiter schlecht aus. Es sollte kälter werden und noch mehr regnen. Scheisse!
Im Zimmer habe ich meine Sachen ausgebreitet; alles war klamm aber zum Glück nichts wirklich nass.
Die Wanderung jetzt abzubrechen und nach Hause zu fahren, klingt gerade sehr verlockend!