Von Decazeville nach Figeac
Ich habe die ruhigen Stunden in Decazeville und die Nacht allein im Hotelzimmer sehr genossen und fühlte mich morgens fit für die anstehende 30-km-Etappe. Nach dem ausgiebigen Regen am Vortag war die Luft noch sehr feucht und in den Tälern lagen dicke Polster von Bodennebel.

Das heutige Bild entstand beim Überqueren des Flusses Lot kurz vor Livinhac-le-Haut. Auch am Fluss war es schon sehr herbstlich.
Heute Morgen bin ich vom Hotel allein gestartet, aber hatte unterwegs mehrere interessante Gespräche mit mir noch fremden Pilgerbrüdern und –schwestern. Hinter einer Kirche in einem kleinen Dorf gab es einen kleinen Raum mit einer improvisierten Teeküche und mehreren Sitzgelegenheiten. Ein Wasserkocher war vorhanden und Tee, Kaffee, Zucker und Milchpulver, verschiedene Sirups und kaltes Wasser und sogar ein Karton mit Küchenstücken. Auf einem Zettel an der Türe wurden vorbeikommende Pilger eingeladen, sich auszuruhen und zu stärken. Eine Büchse für Geldspenden gab es dort auch, aber war völlig unaufdringlich hinter allem Anderen platziert.
An dieser kirchlichen Pilgerverpflegungsstelle – private gibt es sogar noch häufiger – traf ich eine Finnin und bei heissem Tee berichtete sie von ihren Wanderungen auf dem Jakobsweg. Wie viele andere zieht es sie immer wieder auf diesen Weg zurück. Sie schätzt besonders die Gespräche über ‚Gott und die Welt’ mit Gleichgesinnten. Sie mag keinen Regen beim Laufen und auch nicht, wenn sie in vollen Herbergen nicht einschlafen kann.
Ich sass auf einer Bank vor der kleinen Kapelle Sainte-Madeleine mit Wandmalereien aus dem 14. Jh., als plötzlich eine Holländerin um die Ecke bog. Auch sie kommt immer wieder auf den Jakobsweg zurück. Sie schätzt besonders das einfache Leben mit nur dem, was sie selbst tragen kann. Auch in Holland hätte sie inzwischen ihr Leben vereinfacht und würde z.B. schon lange auf ein eigenes Auto verzichten.
Ein älterer Franzose berichtete mir, dass er das erste Mal nach Santiage der Compostela gerannt sei und mindestens 40 km pro Tag zurückgelegt hätte. Nein, Zeit für Gespräche mit Anderen hätte er damals nicht gehabt. Das mache er dieses Mal anders, erklärte er. Er liefe nur noch maximal 25 km am Tag. Und tatsächlich, er fiel bald hinter mir zurück und sah dabei glücklich aus.