Von Cajarc nach Varaire
Ich habe gut geschlafen in der Herberge in Cajarc; ich bin aber ein paar Mal vom Rauschen des Regens aufgewacht. Auch heute Morgen nach dem Frühstück regnete es noch.
Vor ein paar Tagen hatte ich wegen des schlechten Wetters einen Tiefpunkt; ich verspürte gar keine Lust, im Regen draussen rumzustapfen. Just in dem Moment habe ich zwei französische Pilgerinnen beobachtet. Zwei Freundinnen um die 65 Jahre alt, mit grossen Blasen an den Füssen, die mit guter Laune jeden Morgen ihr Bündel schulterten und loszogen, egal ob es regnete oder die Sonne schien. Das sollte ich doch eigentlich auch können – oder? Und seitdem mache ich mich auch bei Regen ohne Murren auf den Weg. So auch heute Morgen.
Mein Bild zeigt die graue, wolkenverhangene Welt, durch die ich dann gewandert bin.

Auch heute hatte irgendwer Einsicht; die Wolken rissen auf und die Sonne zeigte sich gelegentlich. Mittags durchquerte ich Limogne-en-Quercy, der einzige grössere Ort auf dieser Etappe. In einem Restaurant habe ich mich zum Mittagessen eingeladen und die Wanderpause im Warmen sehr genossen.
Bis nach Varaire waren es 25 km. Wie fast jeden Tag ging es ständig auf und ab: Von einer Brücke über einen Bach auf den nächsten Hügel und von dort wieder runter zum nächsten Bach, und von dort wieder auf den nächsten Hügel…
Die Gegend ist sehr felsig hier; Steine und Bäume sind oft mit Moos bewachsen. Touristische Highlights am Weg sind Dolmengräber. Wie einst die schweren Grabplatten transportiert wurden, ist mir ein Rätsel.
In der Pilgerherberge in Varaire wurde ich ausgesprochen nett empfangen. Wir, die Individualpilger, teilten sie mit einer kirchlichen Pilgergruppe aus Trier. Denen bin ich in den letzten Tagen schon ein paar Mal begegnet. Heute Abend hat die Herbergsmutter für alle gekocht. Das gemeinsame, leckere Essen und die interessanten Gespräche danach haben mir ausgesprochen gut gefallen.
Auch wenn ich es in einem früheren Blog-Beitrag schon gesagt habe: Pilgern auf dem Jakobsweg ist einfach grossartig!