Von Yenne nach Saint-Genix-sur-Guiers

Gestern bin ich am Rande eines Dorfes urplötzlich in die Nähe von schwärmenden Bienen geraten und – ehe ich mich versah – hatte mich eine in die Oberlippe gestochen. Der Stich hat nicht sehr weh getan und eine Schwellung war kaum sichtbar, und so hatte ich das Ereignis bald vergessen. Als ich heute Morgen aufwachte, hätte ich eine ordentlich ‚dicke Lippe’. Was tun?
Da ich noch Proviant einkaufen musste, bin ich vom Hotel die paar Schritte ins Zentrum des Städtchens Yenne gelaufen. Eine ‘Pharmacie’ hatte schon auf und die Apothekerin, die gut Deutsch sprach, sah sich die Schwellung an und wusste gleich Rat: Sie empfahl mir ein homöopathisches Mittel aus Bienengift. Ich habe mehrmals über den Tag verteilt 5 Kügelchen genommen und inzwischen ist die Schwellung nahezu verschwunden.
War es ‘Zufall’, dass ich diese Apothekerin dort traf? Oder ein weiteres Jakobsweg-Geschenk?
Das Wetter war heute wieder prächtig und so bin ich guter Dinge weitere grüne Hügel hoch- und runtergestiegen. Ein ruppiger Aufstieg und ein langer, steiler Abstieg waren dabei, aber auch die habe ich gut bewältigt. Gegen 16:30 Uhr erreichte ich St.-Genix-sur-Guiers, ein verschlafenes Städtchen mit 2’000 Einwohnern.
Das einzige Hotel dort hatte Betriebsferien. Die private Pilgerunterkunft am Rande des Ortes hatte den Betrieb ganz eingestellt.
Oh je, nach Weiterlaufen war mir nicht.
Ein ehemalige Pilgerherbergsvater wusste Rat: Er lud mich in sein Auto und fuhr mich zum Campingplatz am anderen Ende des Ortes. Dort wurde ich nett empfangen und man vermietete mir ein eingerichtetes Steilwandzelt für 15 Euro die Nacht. Bei diesem Preis habe ich mir dann gleich das Tagesmenu im Campingplatz-Restaurant geleistet plus einem grossen Eisbecher zum Nachtisch.
Wieder so ein ‘netter Zufall’, dieser Schlafplatz? Oder was?