5. September 2015 – Tag 33

Von Puy-en-Velay nach Saint-Privat-d’Allier

Nach zwei Ruhetagen in Le Puy-en-Velay ist nun Schluss mit Faulenzen. Ich bin heute die erste Etappe auf der Via Podiensis in Richtung Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen gelaufen. 25 km waren es bis zur Herberge in Saint-Privat-d ´Allier.

Im Hotel gab es extra für mich um 6:45 Uhr Frühstück. Danach habe ich mir die neuen Wanderschuhe angezogen – die alten habe ich neben einem Abfalleimer stehen gelassen – und los ging’s. Was mich auf der Via Podiensis erwarten würde, wusste ich nicht.

Warum das, wird sich die Leserin/der Leser dieser Zeilen vielleicht fragen? Also: Jeden Morgen um 7:00 Uhr gibt es in der Kathedrale von Le Puy-en-Velay eine Pilgermesse. Am Ende werden die PilgerInnen gesegnet und dann geht’s los. Es wird berichtet, dass zurzeit etwa 150 bis 200 Menschen diese Messe besuchen. Im Ort, den man mit einem Tagesmarsch erreichen kann, gibt es aber nur etwa 70 Schlafplätze.

Mmmh… Müssen deshalb PilgerInnen draussen schlafen oder noch Stunden bis in den nächsten grösseren Ort weiterlaufen?

Nach meinem Start in Le Puy-en-Velay – auf die Pilgermesse hatte ich verzichtet – war ich zwei Stunden allein auf der Via Podiensis. Dann hat mich der ‚Schnellwanderer’ Alex überholt, der mir von 200 Menschen in der heutigen Pilgermesse berichtete. Mmmh… Sind die uns auf den Fersen?

Für mich war klar, dass ich kein Wettrennen um einen Schlafplatz mitmachen möchte und so bin ich am späten Vormittag erst einmal in einer Bar einen Tee trinken gegangen. In Kaffeeland Frankreich einen guten Tee zu bekommen ist keine Selbstverständlichkeit, aber dort hatte ich Glück. Danke!

Heute sah es mehrmals dramatisch nach Regen aus. Zum Glück hat es aber nicht geregnet.

Gegen 14 Uhr war ich an der Herberge in Saint-Privat-d ´Allier mit knapp 50 Schlafplätzen. Leider war sie zu und an der Tür hing ein Zettel mit der Nachricht ‚Sind um 16 Uhr zurück’. Sch…! Zwei Stunden warten? Und wann tauchen die 200 müden PilgerInnen auf?

Aufgetaucht in den nächsten zwei Stunden sind der Schnellwanderer Alex und etwa 10 weitere PilgerInnen. Die zwei Stunden sind mit interessanten Gesprächen schnell vergangen und um 16 Uhr bekam jeder ein Bett. Eine gute Handvoll Nachzügler kamen noch, aber nicht mehr.

Es muss doch tatsächlich Menschen geben, die die Pilgermesse besuchen, aber dann nicht pilgern gehen…

PS. Mit meinen neuen Schuhen bin ich ohne Probleme 25 km gelaufen. Das macht mich sehr glücklich!