Von Cahors nach Montcuq
Heute hatte ich Pech mit meinem schwarzem Tee zum ersten und ZUM zweiten Frühstück. Beide bekam ich mit nicht richtig heißem Wasser serviert und beide waren kein Genuss. Guten Tee im Kaffeeland Frankreich gibt es nicht jeden Tag. (Ich glaube, ich habe darüber schon einmal geschimpft.)
Die ersten 1.5 Stunden bin ich morgens durch dicken Nebel gestapft. Dann ging die Sonne auf und ein wunderbarer, klarer blauer Himmel wurde bald sichtbar. Das Laub der Bäume zeigt hier erste gelbliche Verfärbungen – der Herbst kündigt sich an. Kurz nach Verschwinden des Nebels sangen die Vögel wie im Frühling.
Der Weg führte vormittags oft durch Wald, der im Gegenlicht der Sonne wunderschön leuchtete. Mein heutiges Bild entstand, als gerade drei Pilgerinnen vor mir liefen.

Heute Mittag in einem kleinen Dorf tauchte plötzlich ein kleines Restaurant vor mir auf. In meinem Pilgerführer wurde es nicht erwähnt. Auf einer Tafel wurde Reklame für das Tagesgericht gemacht – ‚Salatteller für den Marschierer’ hieß es. An diesem wunderbaren Jakobsweggeschenk konnte ich doch nicht vorbeimarschieren, oder? Und so habe ich dann eine gute Weile in der Sonne vor dem Restaurant gesessen und es mir gut gehen lassen.
Nachmittags bin ich noch etliche Stunden über kalkhaltige Hochflächen gestapft; viele andere Pilger habe ich dort nicht getroffen. Mein heutiges Etappenziel war Montcuq, ein Mini-Städtchen mit mittelalterlichem Flair. Am späten Nachmittag wirkte es heute sehr verlassen; etliche Häuser wurden zum Verkauf angeboten. Engländer scheinen Montcuq als zweiten Wohnsitz zu lieben und so gibt es einen Bookstore und gleich daneben einen Pub. Dort habe ich Menschen sitzen gesehen. In Montcuq war ich in einer privaten Pilgerherberge untergekommen. Eine alte, französische Dame vermietet Zimmer in der Wohnung neben ihrer.
Als ich das Quartier bezog, hatte ich noch nicht zu Abend gegessen. Für 5 Euro auf den Übernachtungspreis hat mir die Dame eine Sandwich-Mahlzeit aus ihrem Kühlschrank zusammengestellt, inkl. einem Glas Wein. Die Weintrauben aus dem Herbergsgarten waren sehr süß und ausgesprochen lecker. Zum Essen habe ich mir in der Teeküche der Herberge erst einmal Tee mit kochendem Wasser gekocht. Der hat (endlich) so richtig gut geschmeckt.