2. Oktober 2015 – Tag 60

Von Navarrenx nach Aroue

Das schöne Spätsommerwetter hatte sich gestern Abend verabschiedet. Dunkle Wolken zogen auf und es wurde kühler. In der letzten Nacht hat es dann ausgiebig geregnet.

Heute Morgen bin ich im Trocknen von Navarrenx aufgebrochen, aber es dauerte nicht sehr lange, bis es wieder anfing zu schütten. Da es nicht windig war, bin ich mit Regenschirm die 20 km zu meinem Etappenziel ‚Aroue’ gelaufen. Dort gibt es eine kleine, nette Herberge mit 12 Betten in 3 Zimmern, die ich als erster erreichte. Ich habe mir ein Bett an einem Fenster ausgesucht, heiß geduscht und dann einen heißen Tee getrunken.

Grüne Hügel im Regen, durch die ich heute gestapft bin

In Aroue gibt es außer einer kleinen Kirche nichts – kein Laden, kein Restaurant, keine Kaffeebar. Deshalb gibt es in der Herberge einen verschlossenen Schrank und einen verschlossenen Kühlschrank. Am späteren Nachmittag kommt eine Frau aus Aroue vorbei und öffnet beide. Und voila – plötzlich gibt es einen Laden in der Herberge, in dem jede Pilgerin/jeder Pilger fürs Abendessen und das Frühstück einkaufen kann.

Ich schätze, dass wir – wir waren inzwischen zu viert in der Herberge – aus einem Angebot von gut 50 Dingen wählen konnten. Ich hatte den Eindruck, dass alle damit sehr zufrieden waren.

Ich habe für mein Abendessen 4 Eier eingekauft, ein winziges Stück Butter und einen kleinen Beutel geriebenen Käse. In meinem Rucksack gab es noch eine Paprika und ein Stück Gurke. Gegessen habe ich später eine Käseomelette mit Paprika, dazu etwas Reis von einem Pilgerbruder. Die Gurke habe ich als Salat dazu gegessen. In meinem Einkaufskorb war auch eine Flasche Wein, die wir uns geteilt haben.

Für das Frühstück habe ich ein kleines Weißbrot erstanden, zwei kleine Päckchen Konfitüre, etwas Leberwurst und einen halben Liter Milch. Dazu wird es einen Schale schwarzen Tee geben.

Der ‚Verkaufsrenner’ am gestrigen Nachmittag waren Linsen mit Würstchen aus der Dose. Ich habe sie nicht selbst probiert, aber sie schienen gut zu schmecken.

Im Nachhinein betrachtet war das Öffnen des Herbergsladens ein bisschen wie Weihnachten. Was für eine nette Überraschung an einem Regentag auf dem Jakobsweg!

In der Pilgerherberge von Aroue habe ich den 68-jährigen Franzosen Yves kennengelernt. Er hat sich vor vielen Jahren in das ländliche Indien verliebt und es sich daraufhin zur Lebensaufgabe gemacht, in einem Dorf im Südindischen Bundesstaat Karnataka eine Schule aufzubauen und die Berufsbildung von Jugendlichen und Erwachsenen zu fördern. Dafür sammelt er in Frankreich Geld und überwacht dessen Verwendung durch jährliche, mehrwöchige Aufenthalt in dem Dorf.