Ruhetag in Saint-Jean-Pied-de-Port
Vor dem Übersteigen der Pyrenäen habe ich heute in Saint-Jean-Pied-de-Port eine Laufpause gemacht. Ich habe länger geschlafen und in Ruhe gefrühstückt. Klar, in der Herbergsküche blieb ein ‚Continental Breakfast’ mit Wurst, Käse und Ei ein Traum, aber die frischen, süßen Stückchen vom Bäcker nebenan und dazu heißen Tee mit Milch waren sehr fein. Dann war ich auf der Post und habe meinen französischen Wanderführer nach Hause geschickt. Den möchte ich nicht weiter rumschleppen.
Das Abenteuer des Tages war mein Besuch beim ‚Coiffeur pour Hommes’; nach 2 Monaten auf dem Jakobsweg sahen meine Haare sehr struppig aus. Mein Französisch reicht, um einen Kaffee zu bestellen und nach einem Schlafplatz zu fragen. In Französisch zu erklären, was für einen Haarschnitt ich möchte, mmmh… das war eine echte Herausforderung.
Das Geschäft wurde von zwei netten Frauen um die 40 betrieben. Zwei Franzosen wurden gerade frisiert und ein weiterer wartete. Mit Händen und Füßen habe ich erklärt, was ich wollte. Die beiden Frauen haben lachend genickt und ich habe mich zu dem wartenden Mann gesetzt. Mit Bewunderung habe ich zugesehen, wie flink die beiden Frauen mit Scheren und Rasiermessern umgehen konnten.
Schon bald war ich an der Reihe. Ich habe erklärt, wie kurz ich die Haare haben möchte und los ging’s! Jetzt habe ich einen französischen Kurzhaarschnitt und bin sehr glücklich damit.

Nach diesem Abenteuer bin ich durch die engen Altstadtgassen von Saint-Jean-Pied-de-Port gebummelt. Auf einem Bauernmarkt habe ich mir Käse, eine Scheibe Pate, frisches Brot, Weintrauben und eine dicke Fleischtomate gekauft und daraus in der Küche der Herberge ein leckeres Mittagessen bereitet.
Nachmittags habe ich die nächsten Jakobswegetappen vorbereitet. Etwa 800 km sind es auf dem klassischen Jakobsweg, dem ‚Camino Frances’, bis Santiago de Compostela und weitere 100 km bis zum Kap Finisterre am Atlantik. Ich denke, diese 900 km schaffe ich auch noch. Das Abenteuer ‘Camino del Norte’, den Küstenjakobsweg nach Santiago de Compostela, mit dem ich eigentlich geliebäugelt hatte, hebe ich mir für später auf.