22. September 2015 – Tag 50

Von Lauzerte nach Moissac

Heute Morgen war der Himmel wolkenverhangen und es wollte gar nicht hell werden. Nach einem köstlichen Frühstück in der privaten Pilgerherberge in Lauzerte, in der ich übernachtet hatte – sie wird von einer Holländerin betrieben – bin ich losgestapft. Innerlich hatte ich mich auf einen feuchten Wandertag vorbereitet, aber der blieb aus. Dafür war es den ganzen Tag sehr windig und die Stimmung ausgesprochen herbstlich. Eicheln liegen schon seit mehreren Tagen auf dem Jakobswegs; heute hat es auch Kastanien von den Bäumen gefegt.

Das heutige Bild zeigt das Städtchen Lauzerte von meinem Weg weiter nach Südwesten

Die heutige Etappe war 26 km lang und endete in Moissac mit der sehenswerte Abteikirche Saint-Pierre (auch sie wurde in der UNESOCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen).

Übernachten werde ich in Moissac in einem ehemaligen Kameliterkloster mit Kreuzgang und Garten. Das Mitarbeiterteam der Herberge – alles selbst erfahrene Pilger, Menschenfreunde und gläubige Christen – hat mich ausgesprochen freundlich und mit viel Zeit empfangen. Es gab erst ein Erfrischungsgetränk; danach haben wir uns gegenseitig vorgestellt. Erst dann haben wir die Formalitäten geregelt (sprich: ich habe für Abendessen, Übernachtung und Frühstück bezahlt) und schließlich hat mich jemand vom Team zu meinem Zimmer geführt und mir gezeigt, wo sich die Duschen, Toiletten und der Speisesaal befinden.

Das Abendessen für etwa 30 Pilger und PilgerInnen war, wie in Frankreich üblich, mehrgängig und sehr lecker. Die Stimmung war locker und nett. Ich saß am Tisch mit 3 Pilgerinnen und einem Pilger aus Brasilien, die extra für den Jakobsweg nach Europa gekommen sind.

Zum Abschluss des gemeinsamen Abendessens haben sich die, die wollten – und das waren fast alle – in der Klosterkirche versammelt. Bei wunderbarem Licht hat ein Franzose eine kurze Predigt gehalten. Das war ein weiterer magischer Moment, in dem aus 30 Individuen ein ‚WIR’ wurde.